Wie in Teil 4 beschrieben, haben mich zwei Glaubenssätze ganz schön in Schach gehalten. Ich habe erlebt, wie unglücklich mich die Anzeige meiner neuen Personenwaage machte, weil ich den Gedanken glaubte „es (die Abnahme) funktioniert nicht“. Ganz automatisch suchte ich nach Rettungsankern und fiel dabei in alte Muster, die mich verzweifeln ließen. Ich erwischte mich wirklich dabei, wie ich darüber nachdachte, die Abnahme zu pushen, in dem ich ein paar Tage nichts mehr esse. Eigentlich war ich mir sicher, dass ich diese sinnlose Hungerei schon sehr lange hinter mir gelassen habe.

Dank der Work konnte ich ausmachen, wann dieser Gedanke „es funktioniert nicht“ aufgetaucht ist und wie ich, während ich ihn geglaubt habe, reagierte – mit ungesundem Essen. Dies so zu sehen, ist wirklich erschütternd und erlösend zu gleich. Es belegt, dass the Work funktioniert – und wie!

Ohne meine Gedanken ist alles friedlich und wunderbar. Und ein Gang auf die Waage, schmeisst mich aus dem Paradies.

 

So ist das mit unseren Gedanken. Darum prüfe gut, was Du glaubst und was nicht – und ob das Wiegen überhaupt sinn macht 🙂

Eigentlich weiß ich wie das mit den Gedanken funktioniert. Aber da auf der Waage ging das mit meinem Denken wieder einmal so schnell, dass ich es nicht mitbekomme habe. Auf einmal war meine gute Laune weg, und ich folgte dem stressigen Gedanken wie ein hungriges Hündchen seinem Herrchen.

Gut, dass ich mir die Zeit genommen habe, um zu schauen, was mich da getriggert hat. Ich liebe diesen meditativen Prozess wirklich. Früher hätte ich mich angeklagt und beschumpfen.

„Du hältst nie etwas durch. Du hast versagt. Du bist schwach. Du bist inkonsequent. Du willst Ernährungsberaterin sein und anderen etwas über die richtige Ernährung erzählen? Schäm Dich, und schau, dass Du das wieder geradebiegst“.

Nachdem ich mir mit the Work ehrlich angeschaut habe, was da passiert, bin ich einfach nur dankbar für die Erfahrung.  Gut, dass es genau so gekommen ist. Ich bin mir sicher, dass ich diesen Flashback gebraucht habe, um zu sehen, wie schlimm ich mich in der Vergangenheit behandelt habe, und wie aktiv und abrufbar dieser Automatismus doch noch ist.

Ich bin gespannt, ob mir das so nochmals passieren kann. Dann könnte ich schauen, was die Work verändert hat und wie ich dann reagiere. Ich bin wirklich gespannt. Heute bin ich mir sicher, dass ich mich nicht mehr selbst unter Druck setzen möchte. Wir werden sehen, wie es kommen wird.

Jetzt freue ich aber wirklich auf meine nächste Work in dieser Woche. Mich maltretierte der Gedanke:

 

Die Abnahme sollte schneller gehen

Die Situation war folgende. Ich habe meine Lieblingsjeans anprobiert, und sie passte immer noch nicht.

Ich mache es mir bequem und begebe mich gedanklich wieder vor den Kleiderschrank, als die Hose nicht passte und stelle mir die 4 Fragen der Work.

 

Ist das wahr?

Ja

 

Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

Ja.

 

Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du den Gedanken glaubst?

Ich spüre den Hosenbund eng um meine Hüfte. Auch am Gesäß nehme ich wahr, dass der Stoff unangenehm aufliegt, ich habe einen Kloß im Hals und könnte vor Enttäuschung heulen. Ich merke wie ich anfange, mich sofort zu bemitleiden. Ich denke an meine dünne Kollegin, die immer sagt „ich habe noch nie jemanden erlebt, der so konsequent ist wie Du. Wenn ich so gesund essen würde, wäre ich nur noch Haut und Knochen“. Ich merke wie mein Verstand nach noch mehr Beweispersonen sucht, die mich in meinem Selbstmitleid bestärken könnten. Es bedarf aber keiner weiteren Zustimmung von außen, denn ich kann mich auch sehr gut alleine nach unten ziehen. Ich nehme wahr, wie weitere Glaubenssätze auftauchen, die mich in meinem Leid unterstützen. Ich schreibe sie mir bewusst auf, um sie zu einem späteren Zeitpunkt worken zu können.

            • Das ist ungerecht
            • Du wirst scheitern mit deinem Experiment
            • Ich kann das mit dem langsamen Abnehmen nicht
            • Du musst aufhören zu essen

Ich lasse den Glaubenssatz „die Abnahme sollte schneller gehen“ nochmals auf mich wirken und warte ab, welche Emotionen und Reaktionen ich noch wahrnehmen kann.

Ich habe einen Druck im Oberbauch. Wenn ich meine Aufmerksamkeit ganz dort lasse, merke ich, dass er sich wie ein Ballon ausweitet. Meine Schultern werden schwer. Ich lass den Kopf hängen, und eine tiefe Traurigkeit erfasst mich. Diese steigt vom Hals in den Kopf und die Augen. Ich lasse es einfach zu und warte bis der Druck irgendwann nachlässt. Der Hals kratzt noch, und der Kloß steckt an derselben Stelle fest, aber der Bauch ist freier. Ich atme tief aus, und merke wie ich mich beruhige. Eine Erschöpfung wie nach einem schlimmen Weinanfall stellt sich ein. Mein ganzer Körper entspannt sich.

Ich lass die Frage nochmals auf mich wirken. Was zeigt sich noch mit dem Gedanken?

Mein Kloß im Hals sitzt immer noch derart fest, dass er in beide Schultern ausstrahlt. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an. Dieses Gefühl kenne ich, es fühlt sich an, als wenn etwas ganz, ganz Schlimmes passiert wäre, etwas das man nicht ändern kann. Ich halte diesen Druck im Hals kaum aus. Alles in mir schreit „es ist so schlimm, und ich kann es nicht ändern. Ich muss es einfach so hinnehmen“. Mich überfällt ein mir gut bekanntes Trauergefühl. Ich sehe mehrere Situationen im Leben vor mir, denen ich machtlos ausgeliefert war. Ich bemerke wie das Gefühl von „ich kann einfach nichts machen, denn das bestimmt jemand anders“ im Bauch sitzt und mich innerlich zerreißt.

Mit dem Gedanken rutsche ich in eine tiefe Trauer, die mich glauben lässt, dass ich nichts machen (dagegen tun) kann. Nun bin ich innerhalb des Prozesses an einem Punkt angekommen, an dem ich mich machtlos ergeben muss, ob ich will oder nicht. Das ist so überraschend.

Als ich in diese Hose stieg und mich ärgerte, dass sie zu eng ist, schmiedete ich schon automatisch Pläne, was ich aktiv machen kann, dass die Abnahme schneller geht. Ich war mir sicher, dass ich dazu in der Lage wäre und überlegte, wann ich eine Fastenwoche einlegen könnte und mit welchen, nicht sehr liebevollen Maßnahmen ich den Gewichtsverlust beschleunigen könnte. Nun, während der Mediation erfahre ich genau das Gegenteil. Ich bin machtlos und kann überhaupt nichts bewirken. Ich habe zu akzeptieren, dass jetzt gerade ist was eben ist. Es fühlt sich an, als ob die Dauer der Abnahme nicht in meiner Hand liegt. Die Abnahme geht so schnell wie sie das für richtig hält, und ich kann nichts dagegen tun. Das ist die Wahrheit. Und das macht es gerade so schmerzhaft.

Ich bleibe eine Weile sitzen und nutze die Zeit, diese Erkenntnis zu verarbeiten. Ich kann hungern, mich anstrengen, mit dem Kopf gegen die Wand rennen, zetern, weinen, im Selbstmitleid verfließen, mich mit Anderen vergleichen und hunderte von Diäten ausprobieren…..die Abnahme macht das was sie will, und ich kann nichts dagegen tun. Auch wenn ich das – ich muss mal kurz nachrechnen – 31 Jahre lang schmerzlich ablehnte. Die Abnahme scheint nicht meine Angelegenheit zu sein.

 

Wer bin ich – da mit der zu engen Hose – ohne den Gedanken?

Es fällt mir nicht leicht, mir diese Situation ohne den Gedanken vorzustellen, denn ich halte schon so lange an ihm fest.

Ohne den Gedanken stelle ich fest, wie sperrig sich diese Hose anfühlt. Wie ein falsches „Ding“. Ich will ich sie so schnell wie möglich wieder loswerden. Meine schönen Kleider hängen vor mir im Schrank, und ich nehme wie zum allerersten Mal jedes Gramm an mir wahr. Ich bin jetzt nur noch das was ich eben bin, mit jedem Kilogramm an mir. Ich sehe mich mit jedem Röllchen auf der speckigen Hüfte und dem zu kleinen Kleidungsstück in der Hand. Das ist die fühlbare Realität. Mein Körper, ein Stück Stoff und ich.

Ohne den Gedanken befinde ich mich gedanklich weder in der stressigen Vergangenheit mit all den hungernden Möglichkeiten noch in der fiktiven Zukunft, in der ich 5 kg weniger auf den Rippen habe. Ich bin jetzt genau das was ich bin: eine füllige Frau, die etwas zum Anziehen sucht, das sie schön aussehen lässt, und in dem sie sich wohl fühlt. Das fühlt sich so ehrlich und echt an. Ich linse nicht mehr zu meiner gestreiften „nur nach dem Heilfasten passenden – Lieblingshose“ hin. Denn ich kann mit jeder meiner Fettzelle spüren, dass ich da heute und hier im realen Leben nicht reinpassen werde. Diese Hosen werden erst in 5 kg passen, und wann das sein wird, weiß ich nicht. Ich kann das nicht wissen, es liegt nicht in meiner Hand.

Ich atme aus und heiße die sich in mir ausbreitende Ruhe willkommen. „Welcome home to your beautyfull self“ hat Katie in einem ihrer Videos mal gesagt. Diese Worte klingen gerade wie Balsam in meinen Ohren.

Ja, so befreiend ist das ohne die quälenden Gedanken ohne die man einfach nicht glauben kann, dass die Figur, die Abnahme oder man selbst anders sein sollte. Ich spühre gerade wirklich an eigenen Körper was Katie immer sagt. Die Realität ist immer liebevoller als das was Du darüber denkst. Das stimmt wirklich. Es ist so viel liebevoller, diese Jeans endlich auszuziehen und einfach wieder in den Schrank zu hängen.

Auf einmal ist alles da was ich brauche. Ruhe, Frieden und mich inmitten einer großen Auswahl von Möglichkeiten.

Und auf einmal sind Kleidungsstücke da, die nicht nur passen, sondern auch wirklich schön aussehen. Alls erstes inspiziere ich meine Röcke, die ich seit einer Ewigkeit nicht getragen habe, obwohl sie eigentlich immer passen und super toll aussehen. Ich habe genügend Leggins und dank Conny´s Tipp auch toll sitzende Strumpfhosen, die das Tragen von Röcken auch im Winter komfortabel machen. Oberteile habe ich en masse, und dank meines letzten Italien-Ausfluges auch tolle Boots, die wunderbar dazu passen. Zwei Kleider habe ich ja auch noch, ganz links im Schrank. Das eine hatte ich – seit ich es von meiner Schwester bekommen habe – noch gar nicht getragen.

Warum laufe ich eigentlich immer mit den 2-3 gerade so passenden Hosen herum? Das ist mir jetzt – ohne den Gedanken – wirklich schleierhaft. Wie so oft nach einer Work, kann ich all die Dinge wieder erkennen, die ich mit meiner eingeschränkten Wahrnehmung einfach nicht mehr sehen konnte. Sie waren ja nie weg, dennoch war ich nicht in der Lage, diese Möglichkeiten, zu erkennen.

Ich bin sehr gespannt, wie ich morgen früh vor dem Kleiderschrank stehen werde. Hat sich etwas verändert? Bin ich gelassener, bin ich in der Realität, oder schweife ich doch wieder in die Vergangenheit oder die Wunschzukunft ab? Was werde ich anziehen und wie werde ich mich tagsüber fühlen, nachdem ich mich nach 3 Jahrzehnten zum ersten Mal „normal“ angezogen habe? Ich bin wirklich gespannt, wie und in welchen Bereichen sich diese Work auswirken wird. Ich kann es nicht wissen. Das macht es ja so aufregend.

Ich werde die Umkehrungen mit in meinen morgigen Tag nehmen und schauen, ob ich Beweise dafür finden kann, dass diese Gegenteile auch wahr oder sogar wahrer sein könnten:

  • Die Abnahme sollte nicht schneller gehen
  • Ich sollte schneller gehen
  • Meine Gedanken – über die Abnahme – sollten schneller gehen
Dieses Experiment ist wirklich aufregend!

Kennen auch Sie den Stress, wenn Sie glauben, dass die Abnahme schneller gehen soll als sie es tut. Wenn Sie auch zur Ruhe kommen wollen, dann worken Sie doch mit. Lassen Sie die 4 Fragen der Work in sich hineinfallen und schauen Sie was sich zeigt, wenn Sie mal nicht aus dem Kopf antworten.