Die letzten 10 Tage waren wirklich turbulent. Meine Waage ging kaputt, und meine Laune folgte ihr in die Abgründe.
Bevor sie gar nichts mehr anzeigte, versetzte sie mich mit ihrer letzten Anzeige noch in eine Schockstarre. Sie zeigte eine Zunahme von 3 kg an (und danach 8 kg weniger). Das bestellte Nachfolgemodell zeigte wieder ein anderes, ebenfalls höheres Gewicht und warf mich wirklich aus der Bahn. Ich war so verunsichert, dass ich weder beim Blick in den Spiegel noch an der Passform der Hosen ausmachen konnte, ob ich wirklich zugenommen habe oder nicht. Ich weiß es bis heute nicht. Was ich alledings weiß, meine Gedanken spielten total verrückt.
Ich beobachtete wie mein Verstand alles abspulte:
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- Du hast noch gar nichts abgenommen
- Ich bin in Not
- Das funktioniert nicht
- Du wirst das nie schaffen
- Letztes Mal hat es geklappt, aber dieses Mal nicht
- Ich muss jetzt ganz schnell 5 kg abnehmen
- Ich muss weniger essen – dann geht es schneller
- Ich brauche einen neuen Plan
- Ich brauche sofort eine Lösung
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Dieser Waagecrash hat mir den Überblick genommen und mich so aus der Bahn geworfen, dass viele meiner alten Muster aufpoppten, dadurch, dass meine Gedanken mir, vermeintlich gut gemeint, zur Hilfe eilten.
Meine Verzweiflung schenkte Ideen Gehör wie:
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- Die Jogginghose war noch nie so enge wie heute
- Sie sollte schon viel lockerer sitzen
- Du isst jetzt eine Woche gar nichts
- Danach fällt Dir das Diäthalten leichter
- Du hast zu viel gegessen
- Du hast zu viel gesündigt
- Du musst kürzertreten
- Du kannst die Diät abbrechen, bringt eh nichts
- Du bist eben nicht für dünner gemacht
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Ich war tatsächlich kurz davor, mir die Nahrung zu entziehen und Druck in die ganze Sache zu geben. Das ist doch Wahnsinn! Und diese Gedanken und Handlungsweisen sind schon sehr, sehr alt. Und wenn ich mir anschaue was ich da schon eine Ewigkeit glaube, dann ist mir klar, warum ich immer wieder in das alte Muster, zu hungern oder eine Diät abzubrechen gefallen bin. In der Zeit nach meiner großen Abnahme versuchte ich mein Gewicht zu halten, in dem ich zwei Wochen pro Monat nichts außer Shakes zu mir nahm. Damals war die Standard-Frage meiner Freunde „isst Du gerade“? Ich habe meinen Stoffwechsel so ausgehungert, dass ich die Nulldiätphasen immer länger ausdehnen musste, um überhaupt noch etwas abzunehmen. Ich erinnere mich, wie unglücklich ich war, als dieses Konzept nicht mehr funktionierte. 4 Wochen mühevolles Hungern brachten mir nur noch eine Abnahme von 2 kg ein, und das erste Brezel katapultierte mich wieder zum Ausgangsgewicht. Das war so frustrierend und prägend, dass ich durchaus nachvollziehen kann, warum diese Muster noch aktiv im Hintergrund laufen.
Mein Körper wollte mich letzte Woche wohl vor einer erneuten Niederlage schützen und kramte in unserer gemeinsamen Erfahrungskiste.
Corinna, es funktioniert doch nicht!....das hatten wir doch alles schon. Und ich habe ihm tatsächlich kurz geglaubt.
Ich erlebte wirklich, wie abrufbar all das Erlebte noch ist, und mit welcher Heftigkeit mich dieses Gedankenkarusell in seinen Bann und meine alten Handlungsweisen ziehen kann. Dies innerhalb dieses Experiments so klar zu reflektieren, ist so heilsam und ernüchternd. Geht die Anzeige der Personenwaage nach unten, bin ich motiviert und schwebe förmlich Richtung Wunschgewicht. Bewegt sie sich in die andere Richtung, tobt dieser Sturm in meinem Kopf, der mich verzweifeln lässt. Da sehe ich es doch ganz klar. Mit dem Gedanken „ich nehme ab“ ist die Welt in Ordnung, glaube ich allerdings „es funktioniert nicht“ ist Stress angesagt.
Gott sei Dank bin ich diesen Gedanken nicht mehr machtlos ausgeliefert
Ich erinnere mich an meine Prioritätenliste aus der zweiten Woche und daran, dass ich dieses Mal den Weg gehen will, der mich glücklich macht und nicht den, der das Fett so schnell wie möglich zum Schmelzen bringt. Diesen stressigen Weg kenne ich schon, er hat nie funktioniert, auf jeden Fall nicht dauerhaft. Dieses Waagechaos hat mir diese Woche nochmal vor Augen geführt, wie sinnlos diese Hungerei ist und welch bleibende Schäden mein leidvoller Weg des Nahrungsentzugs in mir hinterlassen hat. Danke liebe Waage, dass Du mich mit dieser coolen Einlage an den Ursprung meiner Gedanken geführt hast. Genau diese tief verankerten Glaubenssätze möchte ich finden, um wirklich frei zu sein. Und trotzdem kommst du nach diesem Experiment endlich in den Keller.
Stressfrei abnehmen will ich und mein Gewicht dauerhaft halten. Ich hatte mir vorgenommen, lecker zu essen, immer satt zu sein und mir Zeit mir der Abnahme zu lassen. Ich merke wirklich, dass es für mich schwierig ist „auf Kurs“ zu bleiben, wenn die Abnahme langsam geht. Es überrascht mich, dass sich diese Vorgehensweise so ungewohnt anfühlt. Ich war mir sicher, dass ich glücklicher sein werde, wenn ich mir kleine Ziele stecke, die auch eine zwischenzeitliche Zunahme erlauben. Allerdings habe ich erlebt, wie sehr mich diese ganz alten Gedanken bei einer Zunahme immer noch triggern und aus dem Konzept bringen.
- es funktioniert nicht
- die Abnahme sollte schneller gehen
Ich möchte diese zwei Gedanken unbedingt genauer anschauen. Denn ich vertraue auf den Prozess der Work und darauf, dass mich diese belastenden Gedanken nach der Überprüfung ENDLICH loslassen werden. Ich starte mit:
Es funktioniert nicht
Ich führe mir die Situation vor Augen, als ich auf der neuen Waage stand und wieder mein Ausgangsgewicht abgelesen habe.
Ist das wahr?
Ja
Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Nein
Wie reagierst du, was passiert, wenn Du den Gedanken glaubst?
Ich bekomme Panik und einen Kloß, erst im Bauch und dann im Hals. Ich verliere den Bezug zur letzten Woche, in der das Gewicht nach unten ging. Es fühlt sich an, als ob die Erinnerungen an die Zeit, in der es funktioniert hat, verschwimmen. Ich habe keinen Zugriff mehr auf meine positiven Erfahrungen. In mir breitet sich Traurigkeit und Resignation aus – in einer unglaublichen Intensität. Ich sehe wie ich mich bemüht habe, wie positiv ich die Ernährungsumstellung umgesetzt habe und wie sehr ich mich jetzt bedaure, weil es nicht funktioniert. All diese Mühen und Hoffnungen verpuffen, und ich versinke in Selbstmitleid.
Mit dem Gedanken bin ich nicht mehr in der Lage, klar zu sehen. Ich stecke fest in diesem Gedanken und habe keine Möglichkeit, zu schauen, ob es denn sein kann, dass ich zugenommen habe. Ich kann nicht mal die letzte Woche reflektieren, um zu schauen, was ich anders gemacht habe oder ob ich gesündigt habe. Ich habe im Moment keinerlei Zugriff auf die Realität.
Das kostet mich Energie, Kraft, all meine Gelassenheit, den Glauben an mich und daran, dass ich es schaffen werde, mein Wunschziel zu erreichen.
Beidem was sich mir gerade ezeigt hat, ist es kein Wunder, dass ich mich auf dieser Waage in eine Stockstarre fiel.
Wer wäre ich in dem Moment – als die Waage wieder mein Ausgangsgewicht anzeigt – ohne den Gedanken „es funktioniert nicht“?
Ich stehe da und lese das Gewicht ab und denke „ach, das ist ja interessant“. Als aller erstes würde ich in absoluter Ruhe überlegen, wie viel ich vor einer Woche gewogen habe und ob die Anzeige stimmen kann. Ich würde die Schuld der Zunahme nicht bei mir suchen. Ich würde überhaupt nicht annehmen, dass ich zugenommen habe, sondern ganz nüchtern rechnen, um wieviel sich die Anzeigen der zwei Elektrogeräte unterscheiden. Dann überlege ich außerdem, ob die alte Waage eventuell schon länger nicht mehr genau gewogen hat ich eigentlich 2,5 kg schwerer bin als ich angenommen habe. Aha, so ist das also. Die Waage war ungenau.
Ich überlege ganz entspannt, was der Grund sein kann, dass diese Anzeige anzeigt was sie anzeigt. Mit mir oder mit meinem Abnehmplan hat das nicht das Geringste zu tun. Ich bin wie ich bin, ich stelle meine Ernährung um, und irgendwann werde ich auch auf dieser Anzeige sehen, dass sich die kg-Zahl verringert. Das ist der Job dieses Gerätes, dafür habe ich es gekauft.
Es geht mir gut und ich spüre das Verlangen, alles dafür tun zu wollen, dass ich zum Erfolg dieser Abnahme beitrage und diese extra dafür gekaufte Waage dazu kriege, weniger anzuzeigen. Das fühlt sich wirklich kraftvoll an. Ich muss lächeln, es löst so ein kleines Wettkampfgefühl in mir aus. „Top die Wette gilt“.
Mit dem Gedanken war ich wirklich handlungsunfähig, ohne den Gedanken stellt sich dieses Kribbeln vor dem Startschuss eines 100 m-Laufs ein. Ich möchte mir keine Spikes anziehen und mir die Lunge aus dem Leib hecheln, aber ich habe total Lust, meine Walkingstöcke auszupacken und zügig durch den Wald zu laufen.
Die liebe, liebe Work……. Einmal mehr bin ich total überrascht was da alles in mir schlummert und ans Tageslicht kommt, wenn ich die überlagerten Gedanken mal zur Seite schiebe. Jetzt bin ich aber auf die Umkehrungen gespannt.
Es funktioniert nicht
Es funktioniert
- Was mir sofort in den Sinn kommt: die Anzeige der Waage funktioniert. Ich stehe auf die Glasfläche, gebe immer weniger Druck in die mich abstützende Hand auf dem Badezimmerschränkchen und sehe wie die Anzeige immer weiter nach oben geht. Als ich mich traue, die Hand ganz loszulassen und stillstehe, stoppt sie und zeigt einen Endstand an. Okay, sie funktioniert.
- Mir drängt sich aber ein Beispiel auf, dass es wunderbar funktioniert, weil ich ganz automatisch als erstes morgens alle Kleider von mir werfe und auf die Waage stehe. Der Wiegeakt ansich funktioniert also auch wunderar. Auch wenn ich noch nicht aus den Augen schauen kann, das geht automatisch und funktioniert wunderbar. Ich nehme das Beispiel an und stelle fest, dass also zwei Kriterien erfüllt sind. Die neu gekaufte Waage macht ihren Job gut, und ich schlafwandle ganz automatisch zum Wiegeritual.
- Ich bin „auf Kurs“ und setze das mir Vorgenommene um. Ja, das funktioniert total gut. Das Kochen macht mir Spaß, ich esse total gesund und lecker und bewege mich in meinem mir gesteckten Rahmen. Es fühlt sich überhaupt nicht nach Diät an. Kein Wunder, kommen mir Gedanken von „das ist zu easy“ und kann ja nicht funktionieren.
Ich funktioniere nicht
Sofort verziehe ich das Gesicht und denke „jaja, ich weiß, ich funktioniere nicht – ist ja nichts Neues“. Das ist nicht die Work, liebe Corinna. Selbstvorwürfe haben an dieser Stelle überhaupt nichts zu suchen. Wir sind schließlich auf dem stressfreien Weg. Außerdem weiß ich, dass das was sich zeigen wird, immer liebevoller ist als das was ich mir gerade ausmale. Also, Augen zu und abwarten.
- Ich funktioniere in dem Moment, in dem ich getriggert wurde, überhaupt nicht – im Sinne der Work und der als Ernährungsberaterin. Da ist alles, was ich weiß und lehre wie weggeblasen, denn ich glaube gerade was ich denke.
- Sobald ich den Gedanken „es funktioniert nicht“ glaube, funktioniere ICH nicht mehr und vergesse alles was ich weiß – über Ernährung, gesunde Abnahme, Wassereinlagerungen und über Elektrogeräte, die Gewichte anzeigen. So ist das. Das kann ich ganz klar sehen.
- In mir stellt sich ein Gefühl ein, dass ich nicht funktioniere, weil ich bei der Ernährung etwas nicht eingehalten haben könnte. Das hat sich so wahr angefühlt, dass ich weiter damit sitze und nach einem Beispiel suche, wo das stimmen könnte. Ich gehe gedanklich die ganze Woche nochmal durch. Wann kam diese neue Waage? Wo war ich? Was habe ich gemacht? Was war in den letzten Tagen? Da fällt es mir ein. Ich sehe mich, wie ich erschöpft walke und mir die Beine so sehr zittern, dass ich mich hinsetzen muss und auf dem Rückweg Zuckerhaltiges kaufte und es ganz schnell aß. Eine für mich total untypische Situation. Ich weiß doch, dass ich keinen Zucker vertrage und am nächsten Tag wieder in den Unterzucker falle. Ich musste folglich an dem nächsten Tage meine Kalorienzufuhr so lange erhöhen und auf Kohlenhydrate zurückgreifen bis ich mich wieder besser fühlte. Damit lag ich in dieser Zeit nicht in dem mir gesteckten Kalorienrahmen, Das hatte ich in dem Moment auf der Waage wirklich nicht mehr auf dem Schirm. Sogar jetzt beim Beispielesuchen hatte ich Mühe, diese Erinnerung wieder hervorzuholen. Das ist ja erstaunlich. Wie konnte ich das in meinem panischen Tunnelblick nicht mehr sehen?
Ich sehe auf einmal was passiert ist. Ich hatte zuerst eine Ersatz-Waage im Retromodell bestellt. Als diese kam, habe ich mich natürlich gleich drauf gestellt. Sie war zwar wunderschön, aber die Anzeige war so ungenau (und klein), dass ich Mühe hatte, auszumachen wie viel sie exakt anzeigt, 2 kg mehr oder weniger? Außerdem folgte der Zeiger jeder noch so kleinen Bewegung mit einem riesen Ausschlag nach rechts.! Und schon hier, das sehe ich jetzt ganz klar, ist es passiert. Ich habe zwar gelacht und das Ding sofort wieder zurückgeschickt, aber der Gedanke „es funktioniert nicht (ich habe zugenommen)“ hat mich doch getroffen. Noch am selben Abend habe ich mein Gemüse weggepackt und mir einen Zuckercocktail verabreicht, der mir dann zwei Tage in den Gliedern hing.
Ja, ich habe in dem Fall nicht funktioniert, weil ich mich 2 Tage nicht an meinen Ernährungsplan gehalten und den Gedanken nicht sofort geworkt habe. Die Waage und auch mein Körper haben ihren Job hingegen wunderbar gemacht. Der Zucker wurde sehr aufwendig und kräftezehrend in Fett umgewandelt, die Bauchspeicheldrüse schlug Alarm und die Waage zeigte das Ergebnis dieses Prozesses ehrlich und zuverlässig an. Gut abermals zu sehen, dass „es“ wunderbar funktioniert, auch wenn ich es mal nicht kann.
Diese Woche hat es wirklich in sich. Es scheint, als hänge ich an meinen alten Gedanken wie eine Marionette an ihren durchsichtigen Fäden. Sobald sie an mir ziehen, folge ich ihnen vertrauensvoll.
Der Gedanke „Gott sei Dank habe ich die Work“ lässt mich gerade mit einem tiefen Seufzer aus- und aufatmen. Gut, das alles so zu sehen und endlich davon loszukommen.
Diese Work hat so viel gelöst, dass ich nicht noch ein weiteres Beispiel suchen möchte. Diese innere Ruhe ist so angenehm, dass ich damit einfach eine Weile sitzen möchte, um diese, schöne neue Gefühl auf mich wirken zu lassen.
Die Work „die Abnahme sollte schneller gehen“ folgt im nächsten Teil.
Kennen Sie das auch? Sie steigen auf die Waage, glauben Ihren Gedanken „das funktioniert nicht“ und fallen umgehend resiginiert aus Ihrem Diätplan? Dann finden Sie eine Situation, in der dieser Gedanke auch bei Ihnen aufgetaucht ist und machen Sie die Work. Finden Sie nach der Beantwortung der vier Fragen Ihre eigenen Beispiele für die Umkehrungen.
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